Salve Salbei!
von Jutta Schaser
Der Gattungsname Salvia kommt von "salvere" und bedeutet heilen. So bringt man Salbei auch sofort mit Husten, Halsweh und Heiserkeit in Verbindung. Andererseits natürlich auch mit mediterraner Küche und Ofenkartoffeln. Hier ist meist der Küchensalbei (Salvia officinalis) gemeint, die Gattung Salvia hat aber noch viel mehr zu bieten, sie umfaßt fast 1000 verschiedene Pflanzenarten und ist damit eine der artenreichsten auf der Welt. Die meisten von ihnen stammen aus Mittel- und Südamerika.
Bei dieser Fülle gilt es, sich erst einmal einen Überblick zu verschaffen:
Allen gemein ist ein meist stark ausgeprägtes Aroma, das von lieblich-fruchtig über herb-würzig bis süßlich, mitunter schweißig reicht. Klebrige Blätter sind übrigens keine Seltenheit. Auch bei den Blütenfarben wird nicht gegeizt: das ganze Farbspektrum - von weiß bis fast schwarz (S. discolor) - in meist auffälliger, leuchtender Ausprägung wird hier geboten. Und wenn die Farbe eher unauffällig ist, so ist der imposante Blütenstand ein "Hingucker"(S. sclarea, S. aethiopsis). Die Einzelblüten sind relativ groß und man kann die Zugehörigkeit zur Familie der Lippenblütler sehr viel deutlicher erkennen, als bei den "Miniaturblüten" ihrer Verwandten Thymian, Minze oder Bohnenkraut.
Um Blütenpracht und Aroma voll entfalten zu können, stehen fast alle Salbei-Arten gerne sonnig. Die meisten mögen`s eher trocken und durchlässig, nur die tropischen Arten mit großen Blättern und mächtigem Zuwachs brauchen in Hitzeperioden viel Wasser und stehen gerne halbschattiger (S. cacaliifolia, S. rutilans, S. dorisiana)
Trotz aller Gemeinsankeiten sind die Unterschiede enorm und es lassen sich folgende Gruppen einteilen:
Fangen wir mit der bekanntesten an: Die Küchensalbei-Arten (S. officinalis) fehlen in keinem Kräutergarten und in keinem Hustentee (dieser ist mit einem Schuß Apfelsaft übrigens sehr schmackhaft!).
Auch hier gibt es eine große Vielfalt an Sorten, die nicht nur nützlich und würzig, sondern auch dekorativ sind; So die bunt-laubigen Auslesen wie S. off. 'Purpurea','Icterina' und 'Tricolor' oder zierlich wachsende Unterarten wie S. lavandulifolia 'Nana' - besonders geeignet für kleine Kräuterspiralen oder Balkonkästen.
Sie alle stehen ganzjährig gerne sonnig und trocken, brauchen regelmäßigen Rückschnitt im Frühjahr
(siehe Pflanzen schneiden) und vor allem die Buntlaubigen profitieren von Reisigschutz im Winter.
Und jetzt - vergessen Sie Husten, Heiserkeit und Halsweh: Wir kommen zu den Ziergarten- und Kübel-Salvien.
Hier sind zunächst 'Einjährige' von Ausdauernden zu unterscheiden. Sie sind pflegeleichte Dauerblüher
in der zweiten Sommerhälfte - bis zum Spätherbst. Als echt einjährig gilt nur S. viridis, der Schopfsalbei,
denn S. patens und S. coccinea (Enzian- und Roter Sommer-Salbei) können ggf. als Kübelpflanze (oder wenigstens als Steckling) überwintert werden.
Bei den Ausdauernden wiederum gibt es winterharte und verschieden frostempfindliche. Winterharte Ziersalvien, verhalten sich wie echte Stauden, d.h. sie verholzen nicht, sondern ziehen im Winter ein. Dadurch vertragen sie auch sehr niedrige Temperaturen und sind unkompliziert in der Pflege. Sie blühen sehr lange und so mancher Art wie z.B. S. nemorosa oder S. verticillata kann man durch Rückschnitt Ende Juli eine Herbstblüte entlocken. Eine Besonderheit in dieser Gruppe sind die 2-jährigen Arten (S. sclarea, S. aethiopis, S. argentea). Sie bilden im ersten Jahr eine schöne, silbrig graue Rosette und im zweiten Jahr einen imposanten Blütenstand. Durch die reiche Samenbildung sorgen diese Arten selbst für ihren Fortbestand im Garten.
Die größte Gruppe bilden die nicht - oder nur bedingt - winterharten Kübel-Salvien.
Sie stammen vorwiegend aus Mittel- und Südamerika und bezaubern durch ihre prächtige Blüte in meist sehr leuchtenden Farben. In der zweiten Hälfte des Sommers, wenn vieles andere schon verblüht ist, werden sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf sich lenken.
Zusätzlich haben die meisten auch noch etwas für die Nase zu bieten. Am bekanntesten sind sicherlich Ananas- Honigmelonen- und Fruchtsalbei, die ihr fruchtiges Aroma gerne an Obstsalat oder ähnliche Süßspeisen weitergeben (Allesamt frisch zu verwenden!). Es gibt aber auch herbere Noten, wie z.B. einen Salbei mit dem Duft Schwarzer Johannisbeeren. Oder tiefblauen Cacalia-Salbei. Oder einen roten Salvia darcyi, der intensiv wie Muskatellersalbei riecht, aber ganz anders wächst und blüht. Hier ist ein weites Experimentiefeld und Ihrer Fantasie bei der Verwendung der Blätter und Blüten als Farb- oder Aromatupfer an Soßen und Salaten sind keine Grenzen gesetzt.
Nur, solche Schönheiten brauchen (Winter)Pflege, wenn man sich länger als ein Jahr an ihnen erfreuen will.
Eine Möglichkeit ist, sie ganzjährig im Kübel zu halten und regelmäßig zu düngen und umzutopfen (siehe 'Pflanzen topfen'). Noch üppiger und kräftiger werden sie, wenn man sie in ein überwiegend sonniges Beet mit nicht zu magerem Boden auspflanzt. Im Herbst, möglichst vor dem ersten stärkeren Frost (aber auch nicht viel früher), sollten sie ausgegraben werden. Hierzu mit dem Spaten einmal umstechen und zusammen mit etwas Blumenerde oder Kompost in einen passenden Kübel setzen. Gut angießen, im weiteren aber eher wenig gießen! Umso weniger, je kühler die Pflanze überwintert. Unbelaubte brauchen deutlich weniger Feuchtigkeit als Immergrüne, da sie ja im Winter kaum Verdunstungsflächen haben!
Meist ist ein beherzter Rückschnitt mehrmals notwendig, um lange, "vergeilte" Triebe einzukürzen.
Manche werden gerne etwas wärmer überwintert, d.h. bei mind. 10, besser 15°C in einem kühleren Zimmer oder in einem hellen Treppenhaus (S. elegans, S. rutilans, S. dorisiana).
Andere gelten als frost- aber nicht winterhart, d.h. sie zeigen nicht wie oben genannte schon beim ersten Frost deutliche Schäden, sondern blühen unter Umständen bis November weiter und vertragen eben nur längeranhaltende, stärkere Fröste nicht. Im Weinbauklima treiben sie mit etwas Glück aus dem Wurzelstock wieder aus (auch bei uns schon geschehen, so z.B. bei S. coahuilensis). Wer sicher gehen will, überwintert sie frostfrei, aber kühl. 5 - 10°C reichen aus (beispielsweise in Keller-oder Vorratsräumen und in Garagen mit Fenstern. Die folgende Tabelle soll helfen, Nerven, Salvien und den Überblick nicht zu verlieren.
Als abschließende Faustregel gilt: je größer die Blätter und die ganze Pflanze, d.h. je "tropischer" der Gesamteindruck, desto mehr Wärme und (Luft-)Feuchtigkeit braucht sie auch im Winter.
Und gleich eine erste Ausnahme: S. darcyi, der Himberrote Ziersalbei, hat aus diversen Ausläufern nach dem letzten (recht milden) Winter im Freiland neu ausgetrieben.
Regel - Mäßiges Gießen im Winter ist besonders wichtig für alle Immergrünen. Bei 'echten' Stauden, deren Laub 'einzieht', muß lediglich der Wurzelballen vor dem Austrocknen bewahrt werden. Im Frühjahr tut ein belebender (Rück)schnitt um maximal ein Viertel des lebenden Holzes not - und gut.
Die Düngung kann jetzt deutlich gesteigert werden. Ab April sollten die meisten Kübel wieder ins Freie geräumt werden. Eine bereitliegende Decke schützt im Notfall vor späten Nachtfrösten.