Leseprobe: Im Kräutergarten
„Ist das auch ein Kräuter?“ – die Frage mag kurios klingen, doch ich höre sie gar nicht so selten, daheim in der Bioland-Gärtnerei oder unterwegs auf Pflanzenmärkten. Sie drückt weniger Unwissenheit als Überraschung aus: darüber, dass in einem Sortiment so viele verschiedene Pflanzen als „Kräuter“ angeboten werden. Was also sind eigentlich Kräuter? Wo hören Blumen auf, wo fängt Gemüse an und wo stehen die Kräuter? Am besten mittendrin, finde ich! Früher war das im Garten ganz einfach: Da war rechts das Gemüse, links standen die Blumen, hinten war ein Stück mit Gründünger oder Kartoffeln und daneben das Beet, das hieß „Kräutergarten“! Ich weiß, so war das früher nicht überall. Aber in den sogenannten „Bauerngärten“, die in der heute beliebten Art eher zu herrschaftlichen Häusern und Klöstern gehörten, um diese mit Nahrung und Hausmedizin zu versorgen, hat sich die klassische, mit Buchsbaum oder Winterheckenzwiebel eingefasste Ordnung über Generationen als praktisch und formschön erwiesen. Und tatsächlich, was nicht wild in Wald und Feld gesammelt, aber zum Würzen und Haltbarmachen von Speisen täglich gebraucht wurde, wuchs in diesem Garten, nahe bei der Küche. Kundige Frauen und Männer haben sich zudem früh mit dem Anbau von Heilpflanzen befasst, Farbstoffe aus Pflanzen gewonnen, Salben gemischt und vermutlich den Kräuterquark erfunden. Und waren zugleich nicht selten dem Vorwurf der Quacksalberei ausgesetzt. Geblieben ist ein volkstümlicher Kräuterbegriff, der nirgendwo so recht definiert ist. Zumeist geht ...